Vom 15. bis 17. Mai 2026 fand in Heraklion auf Kreta die 18. Internationale Konferenz „Economies of the Balkan and Eastern European Countries“ (EBEEC 2026) statt. Die Konferenz brachte internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, um über wirtschaftliche Transformation, nachhaltige Entwicklung, Digitalisierung, Regionalentwicklung und Unternehmenspraxis zu diskutieren.
Die CAIS-Forscherin Dr. Tetiana Gorokhova präsentierte ihren Beitrag mit dem Titel „Digitalisation as a Driver of Circular Economy in Ukraine’s Post-War Industrial Reconstruction: Lessons from German Industry Practices“. Der Vortrag knüpfte an ihre Forschung zu Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und industrieller Transformation an und ging der Frage nach, unter welchen Bedingungen digitale Technologien zur Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft beitragen können.
Im Mittelpunkt standen Erfahrungen von Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, überwiegend mittelständischen und großen Unternehmen verschiedener Industriezweige. Die Analyse zeigte, dass digitale Technologien allein nicht automatisch zu einer Kreislaufwirtschaft führen. Ihr Potenzial entfaltet sich vielmehr erst unter geeigneten institutionellen Rahmenbedingungen, durch regulatorische Anreize, passende Finanzierungsstrukturen und ein gemeinsames Verständnis dafür, warum Kreislaufwirtschaft über kurzfristige Effizienzgewinne hinaus von Bedeutung ist.
Auf Grundlage dieser Ergebnisse erläuterte Tetiana Gorokhova, wie ausgewählte Erfahrungen der deutschen Industrie auf den ukrainischen Kontext übertragen werden können. Besonderes Augenmerk lag auf dem industriellen Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg sowie auf der Frage, wie Kriterien der Kreislaufwirtschaft frühzeitig in Wiederaufbauprogramme, regionale Entwicklungsstrategien und unternehmerische Entscheidungen integriert werden können. Der Vortrag verband damit empirische Erkenntnisse aus Deutschland mit den spezifischen Herausforderungen ukrainischer Industrieregionen.
Ein zentrales Argument des Vortrags war, dass Wiederaufbau nicht ausschließlich als technischer oder finanzieller Prozess verstanden werden sollte. Vielmehr eröffnet er ein begrenztes Zeitfenster für langfristige Entwicklungsentscheidungen. Werden Prinzipien der Kreislaufwirtschaft erst nach Abschluss des Wiederaufbaus berücksichtigt, besteht die Gefahr, dass sich lineare Produktions- und Infrastruktursysteme erneut verfestigen. Digitalisierung kann einen anderen Entwicklungspfad unterstützen – allerdings nur dann, wenn sie in geeignete Governance-Strukturen, regulatorische Rahmenbedingungen und eine werteorientierte Kommunikation eingebettet ist.
Die Teilnahme an der EBEEC 2026 bot die Gelegenheit, diese Forschungsergebnisse in einem internationalen wissenschaftlichen Umfeld zu diskutieren und einen Beitrag zur Debatte über nachhaltige Transformationspfade für die Ukraine zu leisten.
Die Forschung wurde im Rahmen des Projekts HEI-TRAIN: HEI Transformation for Entrepreneurship and AI-Driven Innovation durchgeführt (Projektnummer (KAVA) 250749). Das Projekt wird von der Europäischen Union gefördert.